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Kompressionsklassen und Druckeinheiten

Welche Kompressionsklassen und Druckeinheiten gibt es bei Kompressionsstrümpfen?

Medizinische Kompressionsstrümpfe werden in vier genormte Kompressionsklassen (KKL 1 bis 4) eingeteilt. Diese Klassen definieren exakt, wie viel Druck der Kompressionsstrumpf im Fesselbereich auf das Bein ausübt. Je ausgeprägter die Venenerkrankung bzw. das Lipödem oder Lymphödem, desto kräftiger muss die Kompression sein. Welche Klasse für Ihre Therapie die richtige ist, entscheidet Ihr behandelnder Arzt.

Welche Kompressionsklasse brauche ich?

Die Einteilung der Klassen stellt sicher, dass der Druck auf das jeweilige Krankheitsbild abgestimmt ist. [1] 

Hinweis: Während Beinkompressionsstrümpfe in allen vier Klassen erhältlich sind, werden Armkompressionsstrümpfe nur in den Klassen I bis III gefertigt.

  • KKL 1 (Leichte Kompression | 18 – 21 mmHg): Wird bei leichten Beschwerden wie schweren, müden Beinen eingesetzt. Wird häufig zur Vorbeugung von Thrombosen auf langen Reisen oder zur Entlastung während der Schwangerschaft eingesetzt.
  • KKL 2 (Mittlere Kompression | 23 – 32 mmHg): Ein häufig eingesetztes Hilfsmittel in der Basistherapie. Grundsätzlich gilt: Klasse II ist die am häufigsten verordnete Kompressionsklasse in der Venentherapie. Kommt bei ausgeprägten Krampfadern, leichten Ödemen, nach Venenoperationen oder abgeheilten Venenentzündungen zum Einsatz.
  • KKL 3 (Kräftige Kompression | 34 – 46 mmHg): Wird bei chronischen und schweren Erkrankungen verordnet. Dazu zählen schwere Krampfaderleiden, die Nachsorge von tiefen Beinvenenthrombosen oder chronische Venenschwäche (CVI).
  • KKL 4 (Sehr kräftige Kompression | ab 49 mmHg): Kommt bei massiven Schwellungen und Verhärtungen des Gewebes zum Einsatz, vor allem bei der Therapie von stark ausgeprägten Lymphödemen und Lipödemen.

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Was bedeuten mmHg, kPA und den?

Um den passenden Kompressionsstrumpf zu wählen, ist es wichtig, die Bedeutung der Druckeinheiten zu kennen. Die Stärke der Kompressionsstrümpfe wird oft in mmHg angegeben, während Stützstrümpfe in den gemessen werden. 

Was bedeutet mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) bei Kompressionsstrümpfen?

mmHg ist die offizielle medizinische Maßeinheit, die den therapeutischen Druck von Kompressionsstrümpfen auf das Bein angibt. Diese Einheit wird in der Medizin weltweit auch zum Messen des Blutdrucks verwendet. Je höher der mmHg-Wert auf dem Etikett, desto stärker ist der medizinische Druck, den der Kompressionsstrumpf auf Ihre Venen ausübt.

Was bedeutet kPa (Kilopascal) bei Kompressionsstrümpfen? 

Kilopascal ist eine alternative physikalische Maßeinheit für Druck, die oft ergänzend auf internationalen Verpackungen steht. In der Kompressionstherapie erfüllt kPA im Wesentlichen denselben Zweck wie mmHg: Es definiert die messbare Druckstärke des Kompressionsstrumpfes.

Die Einheit mmHg (Millimeter Quecksilbersäule) wird auch zur Messung des Blutdrucks verwendet.
Bekannt vom Blutdruckmessen: Die medizinische Einheit mmHg definiert sowohl den Druck in Ihren Arterien als auch die exakte Druckstärke, mit der ein Kompressionsstrumpf Ihre Venen von außen unterstützt.

​Was bedeutet "den" (Denier) bei Stützstrümpfen? 

Die Einheit "den" ist keine medizinische Druckeinheit, sondern beschreibt lediglich die Fadenstärke bei Stützstrümpfen. Je höher die den-Zahl (z.B. 70, 140 oder 280 den), desto dicker und blickdichter ist das Garn. Wichtig: Stützstrümpfe besitzen keinen genormten Druckverlauf. Sie dienen vorrangig gesunden Menschen zur Vorbeugung, sind aber nicht zur Behandlung von Venenleiden vorgesehen und werden nicht vom Arzt verschrieben.

Stützstrümpfe vs. Kompressionsstrümpfe: Alle Unterschiede

 

Die Einheit den (Denier) beschreibt die Feinheit eines Garnes.
Keine medizinische Einheit: Die Angabe "den" (Denier) gibt lediglich die Dicke und Feinheit des Garns bei kosmetischen Stützstrümpfen an – sie trifft jedoch keine Aussage über einen medizinisch genormten Druckverlauf.

Was ist der Unterschied zwischen Ruhedruck und Arbeitsdruck?

Ein medizinischer Kompressionsstrumpf entfaltet seine Wirkung auf zwei unterschiedliche Arten, abhängig davon, ob Sie sich bewegen oder stillstehen.[2]

  • Der Ruhedruck: Das ist der Druck, den der Kompressionsstrumpf im Ruhezustand (beim Sitzen oder Liegen) auf das Bein ausübt. Ein hoher Ruhedruck ist wichtig, um den Blutfluss auch in Phasen ohne Muskelbewegung von außen zu unterstützen. Er wird maßgeblich durch die Kompressionsklasse bestimmt.
    Der Arbeitsdruck: Das ist der Widerstand, den das feste Strumpfmaterial der Wadenmuskulatur bei Bewegung (beim Gehen) entgegensetzt. Dieser spielt bei schweren Indikationen eine bedeutende Rolle, da der Druck die tiefen Venen verengt und entstaut.

Wie wird der Druck von Kompressionsstrümpfen kontrolliert?

Damit ein Kompressionsstrumpf medizinisch wirkt, muss der Druck an der Fessel am höchsten sein und nach oben (Richtung Knie/Oberschenkel) stufenlos abnehmen. Diese exakte Druckverteilung ist in Deutschland streng geregelt.

Die RAL-Gütezeichen (RAL-GZ 387/1 für Beine und 387/2 für Arme) stehen für geprüfte Qualität und korrekte Klassifizierung und korrekte Einstufung in die jeweilige Kompressionsklasse. [3] Um diese höchsten medizinischen Standards zu erfüllen, wird der Druckverlauf unserer Ofa-Kompressionsstrümpfe regelmäßig mit dem hochpräzisen HOSYcan-Prüfgerät der renommierten Hohenstein Textilinstitute exakt gemessen und zertifiziert.

Die RAL-Gütezeichen 387/1 und 387/2 gewährleisten die medizinische Wirksamkeit medizinischer Kompressionsstrümpfe.
Das offizielle RAL-Gütezeichen für medizinische Kompressionsstrümpfe.

Häufige Fragen zu Kompressionsklassen

Haben Sie noch offene Fragen zur passenden Stärke Ihrer Kompressionsstrümpfe? Hier finden Sie die Antworten. 

Nein, der Druck (mmHg) ist nicht allein von der Dicke des Materials abhängig. Zwar sind Kompressionssstrümpfe der Klassen 3 und 4 oft aus kräftigerem Material gefertigt, um bei starken Schwellungen den nötigen Arbeitsdruck aufzubauen. Durch moderne Hightech-Garne und spezielle Strickverfahren können aber auch Kompressionsstrümpfe der Klasse 2 (mittlere Kompression) sehr fein, transparent und atmungsaktiv ausfallen. Die Optik und Dicke hängen stark von der gewählten Strumpfqualität (z. B. feines Rundgestrick vs. festes Flachgestrick) ab. [1]

Nein, Sie sollten die ärztlich verordnete Kompressionsklasse niemals eigenmächtig ändern. Der Arzt hat die Klasse exakt auf die Schwere Ihres Venen- oder Ödemleidens abgestimmt. Ein Kompressionsstrumpf der Klasse 1 würde bei einem Krankheitsbild, das Klasse 2 erfordert, keine ausreichende medizinische Wirkung erzielen. Wenn sich Ihr Kompressionsstrumpf unangenehm eng anfühlt, liegt das oft nicht an der falschen Klasse, sondern möglicherweise an ungenauen Maßen. Lassen Sie in diesem Fall den Sitz im Sanitätshaus überprüfen oder fragen Sie nach einem Kompressionsstrumpf mit einer höheren Materialdehnung.[1]


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Quellen und Studien

[1] Vgl. S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten (AWMF-Registernummer 037-005, Stand 2018, aktuell in systematischer Überarbeitung) 
[2] Vgl. Partsch, H. (2005): Ruhedruck und Arbeitsdruck – Ein wesentliches Kriterium für die Materialwahl in der Kompressionstherapie. Phlebologie, 34(5), 263-268.
[3] Vgl. Gütegemeinschaft Medizinische Kompressionsstrümpfe e.V.: RAL-GZ 387/1 (Medizinische Kompressionsstrümpfe) und RAL-GZ 387/2 (Medizinische Kompressionsarme und -hände).