Was ist der Unterschied zwischen Stützstrümpfen, Kompressionsstrümpfen und Thrombosestrümpfen?
Der Hauptunterschied liegt im Einsatzgebiet und in der Verordnungsfähigkeit: Stützstrümpfe entlasten gesunde Beine im Alltag, während medizinische Kompressionsstrümpfe ein ärztlich verordnetes Therapiemittel bei Venenleiden sind [1]. Thrombosestrümpfe – fachsprachlich Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe (MTS) genannt – hingegen sind reine Krankenhaus-Hilfsmittel für Liegendpatienten [2].
Hier ist der schnelle Überblick für Ihre Entscheidung:
Stützstrümpfe (Die Prävention): Vorbeugung von schweren Beinen bei ärztlich bestätigt gesunden Venen. Sie sind frei verkäuflich und besitzen keinen medizinisch definierten Druckverlauf.
Medizinische Kompressionsstrümpfe (Die Therapie): Basistherapie bei Venenleiden [1]. Sie besitzen einen kontrollierten, von unten nach oben abnehmenden Druckverlauf [3]. Es handelt sich um ein verordnungsfähiges Hilfsmittel, das im Sanitätshaus individuell angemessen wird.
Anti-Thrombosestrümpfe (Das Klinik-Hilfsmittel): Verhinderung von Blutgerinnseln (Thromboseprophylaxe) ausschließlich bei bettlägerigen oder frisch operierten Patienten im Liegen [2].
Wann sollte man Stützstrümpfe tragen?
Sie sollten Stützstrümpfe tragen, wenn Ihre Venen ärztlich bestätigt gesund sind, Sie aber einer raschen Ermüdung oder schweren Beinen im Alltag aktiv vorbeugen möchten.
Stützstrümpfe unterstützen die Blutzirkulation auf sanfte Weise, besitzen im Gegensatz zu medizinischen Kompressionsstrümpfen jedoch keinen kontrollierten, von unten nach oben abnehmenden Druckverlauf. Sie sind ideal bei starken Alltagsbelastungen wie langem Stehen im Beruf oder ausgedehntem Sitzen. Wichtig: Bei echten Venenbeschwerden ersetzen sie keine medizinische Therapie und sie können diese auch nicht heilen.
Wofür werden medizinische Kompressionsstrümpfe eingesetzt?
Medizinische Kompressionsstrümpfe werden zur Basistherapie von Venenleiden (wie Krampfadern, chronischer Veneninsuffizienz oder nach einer Thrombose) sowie bei Lipödem und Lymphödem eingesetzt [1].
Im direkten Vergleich zu frei verkäuflichen Stützstrümpfen sind sie ein hochwirksames, ärztlich verordnetes Hilfsmittel. Sie entfalten ihre Wirkung im aktiven Alltag und müssen für den optimalen Therapieerfolg exakt von geschultem Fachpersonal angemessen werden. Geprüfte medizinische Wirksamkeit erkennen Sie dabei immer am RAL-Gütezeichen [3].
Was sind Anti-Thrombosestrümpfe?
Anti-Thrombosestrümpfe (Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe, kurz MTS) sind weiße Spezialstrümpfe, die rein für bettlägerige und frisch operierte Patienten konzipiert wurden, um Thrombosen im Liegen zu vorzubeugen [2].
Sobald Sie als Patient das Bett verlassen und sich im Alltag wieder aufrecht bewegen, verlieren diese Strümpfe ihre primäre Schutzfunktion. Sie sind für den aktiven Alltag ungeeignet und dürfen niemals als Ersatz für reguläre medizinische Kompressionsstrümpfe getragen werden.
Wie lange werden Antithrombosestrümpfe getragen?
Antithrombosestrümpfe werden Tag und Nacht (rund um die Uhr) getragen, solange Sie als Patient streng bettlägerig sind [2].
Sobald Sie wieder vollständig mobil sind, selbstständig aufstehen und umhergehen können, werden sie in Absprache mit dem behandelnden Arzt abgesetzt. Besteht danach weiterhin die medizinische Notwendigkeit einer Venenunterstützung, wird für den Alltag auf passgenaue medizinische Kompressionsstrümpfe gewechselt.
Sind Reisestrümpfe (Flugstrümpfe) Stützstrümpfe oder Kompressionsstrümpfe?
Klassische Reisestrümpfe oder Flugstrümpfe gehören zur Kategorie der Stützstrümpfe, da sie bei venengesunden Menschen präventiv gegen das Anschwellen der Beine auf langen Reisen eingesetzt werden.
Wenn Sie jedoch bereits an einem diagnostizierten Venenleiden erkrankt sind oder in der Vergangenheit eine Thrombose hatten, reicht ein reiner Reisestrumpf zur Vorbeugung nicht aus. In diesem Fall müssen Sie auch auf Reisen Ihre ärztlich verordneten medizinischen Kompressionsstrümpfe tragen.
Gibt es einen optischen Unterschied zwischen den Strumpfarten?
Ja, während Anti-Thrombosestrümpfe rein zweckmäßig und meistens weiß sind, lassen sich moderne medizinische Kompressionsstrümpfe optisch kaum noch von eleganten Stützstrümpfen oder blickdichten Feinstrumpfhosen unterscheiden.
Das Vorurteil vom unästhetischen „Gummistrumpf“ ist bei heutigen Therapiestrümpfen unbegründet. Medizinische Kompressionsstrümpfe gibt es in zahlreichen modischen Farben, Mustern und feinen Texturen, die sich unauffällig in Ihre Alltagsgarderobe einfügen.
Das könnte Sie auch interessieren:
Quellen
[1] Vgl. S2k-Leitlinie Medizinische Kompressionstherapie der Extremitäten (AWMF-Registernummer 037-005, Stand 2018, aktuell in systematischer Überarbeitung)
[2] AWMF: S3-Leitlinie "Prophylaxe der venösen Thromboembolie (VTE) (Registernummer 003-001, Stand 21.01.2026, gültig bis 21.01.2028)
[3] Vgl. Gütegemeinschaft Medizinische Kompressionsstrümpfe e.V.: RAL-GZ 387/1 (Medizinische Kompressionsstrümpfe) und RAL-GZ 387/2 (Medizinische Kompressionsarme und -hände).